Medizinisches Glossar

Begriffe mit R

Rachen
Der Rachen ist der Bereich hinter Mund- und Nasenhöhle, in dem sich Atem- und Speiseweg kreuzen. Er verbindet Nase und Mund mit Kehlkopf und Speiseröhre.
Rachenabstrich
Ein Rachenabstrich ist eine Probeentnahme mit einem Wattestäbchen aus dem Rachen. Er dient dem Nachweis von Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren, etwa bei Halsentzündung oder Atemwegsinfekten.
Rachenentzündung
Eine Rachenentzündung ist eine Entzündung der Rachenschleimhaut mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Rötung. Sie wird meist durch Viren, seltener durch Bakterien ausgelöst.
Rachenmandel
Die Rachenmandel ist lymphatisches Gewebe im oberen Rachenraum hinter der Nase. Bei Kindern kann sie vergrössert sein und dann die Nasenatmung behindern; man spricht umgangssprachlich von Polypen.
Rachitis
Rachitis ist eine Erkrankung des wachsenden Knochens bei Kindern, meist durch Vitamin-D-Mangel. Die Knochen bleiben weich und können sich verformen, etwa zu O-Beinen.
Rachitisprophylaxe
Die Rachitisprophylaxe ist die Vorbeugung von Rachitis bei Säuglingen durch die Gabe von Vitamin D. Sie soll die gesunde Entwicklung und Festigung der Knochen unterstützen.
Radikulopathie
Eine Radikulopathie ist eine Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel an der Wirbelsäule, häufig durch einen Bandscheibenvorfall. Sie äussert sich mit Schmerzen, Kribbeln oder Schwäche, die entlang des Nervs ausstrahlen.
Radiojodtherapie
Die Radiojodtherapie ist eine Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen mit radioaktivem Jod. Das Jod reichert sich in der Schilddrüse an und verkleinert oder zerstört gezielt überaktives oder krankhaftes Gewebe.
Radiologie
Die Radiologie ist das medizinische Fachgebiet, das mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Computertomografie und Magnetresonanztomografie Krankheiten sichtbar macht. Radiologinnen und Radiologen befunden diese Bilder und führen teils auch bildgesteuerte Eingriffe durch.
Radiotherapie
Die Radiotherapie ist eine Behandlung mit ionisierender Strahlung, die vor allem bei Krebs eingesetzt wird. Die Strahlung schädigt gezielt Tumorzellen und soll dabei das umgebende gesunde Gewebe möglichst schonen.
Radius
Der Radius ist der Speichenknochen, einer der beiden Knochen des Unterarms. Er verläuft auf der Daumenseite und ist bei Stürzen auf die Hand häufig von Brüchen betroffen.
Ramus
Ramus ist der lateinische Ausdruck für einen Ast, etwa eines Nervs oder Blutgefässes. In anatomischen Bezeichnungen kennzeichnet er einen abzweigenden Seitenzweig.
Rasselgeräusch
Rasselgeräusche sind Nebengeräusche der Lunge, die beim Abhören mit dem Stethoskop hörbar werden. Sie deuten auf Flüssigkeit oder Schleim in den Atemwegen hin, etwa bei Lungenentzündung oder Herzschwäche.
Reagenz
Ein Reagenz ist ein Stoff, der im Labor eine chemische Reaktion auslöst oder sichtbar macht. Reagenzien werden verwendet, um in Blut, Urin oder Gewebe bestimmte Stoffe nachzuweisen.
Reanimation
Reanimation bezeichnet die Wiederbelebung bei Herz-Kreislauf-Stillstand, meist durch Herzdruckmassage und Beatmung. Ziel ist es, die Blutzirkulation aufrechtzuerhalten, bis das Herz wieder selbst schlägt.
Referenzbereich
Der Referenzbereich ist die Spanne, in der ein Laborwert bei gesunden Menschen üblicherweise liegt. Werte ausserhalb dieses Bereichs gelten als auffällig, müssen aber nicht zwingend krankhaft sein.
Reflex
Ein Reflex ist eine unwillkürliche, rasche Reaktion des Körpers auf einen Reiz, etwa das Zucken des Beins beim Schlag auf die Kniesehne. Ärztinnen und Ärzte prüfen Reflexe, um die Funktion von Nerven und Rückenmark zu beurteilen.
Reflux
Als Reflux bezeichnet man das Zurückfliessen von Mageninhalt in die Speiseröhre. Typische Beschwerden sind Sodbrennen und saures Aufstossen, besonders im Liegen oder nach dem Essen.
Regelblutung
Die Regelblutung ist die monatliche Blutung aus der Gebärmutter im Rahmen des weiblichen Zyklus. Sie entsteht durch das Abstossen der Gebärmutterschleimhaut, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist.
Regeneration
Regeneration bezeichnet die Fähigkeit des Körpers, geschädigtes Gewebe zu erneuern oder zu ersetzen. Wie gut dies gelingt, hängt stark vom Gewebe ab; Haut und Leber regenerieren beispielsweise besonders gut.
Regurgitation
Regurgitation ist das Zurückfliessen von Speisebrei oder Flüssigkeit ohne aktives Erbrechen. In der Kardiologie meint der Begriff zudem den Rückfluss von Blut durch eine undichte Herzklappe.
Rehabilitation
Rehabilitation umfasst Massnahmen, die Menschen nach Krankheit, Unfall oder Operation helfen, verlorene Funktionen und Selbstständigkeit zurückzugewinnen. Dazu gehören etwa Physiotherapie, Ergotherapie und Trainingsprogramme.
Rehydratation
Rehydratation ist der Ausgleich eines Flüssigkeitsmangels, etwa nach Durchfall, Erbrechen oder starkem Schwitzen. Sie erfolgt durch Trinken spezieller Lösungen oder über Infusionen.
Reizblase
Bei einer Reizblase besteht ein häufiger, plötzlicher Harndrang, oft mit kleinen Urinmengen. Eine fassbare Ursache wie ein Harnwegsinfekt lässt sich dabei meist nicht finden.
Reizdarm
Der Reizdarm ist eine funktionelle Störung des Verdauungstrakts mit Bauchschmerzen, Blähungen und verändertem Stuhlgang. Trotz belastender Beschwerden findet sich keine fassbare organische Ursache.
Reizhusten
Reizhusten ist ein trockener Husten ohne Auswurf, der durch eine Reizung der Atemwege ausgelöst wird. Er tritt etwa zu Beginn einer Erkältung, bei Allergien oder als Nebenwirkung mancher Medikamente auf.
Reizleitung
Als Reizleitung bezeichnet man die Weiterleitung elektrischer Signale, zum Beispiel im Herzen. Über spezielle Bahnen sorgt sie dafür, dass sich die Herzkammern geordnet und im richtigen Takt zusammenziehen.
Reizmagen
Der Reizmagen ist eine funktionelle Störung mit Oberbauchbeschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit und frühem Sättigungsgefühl. Eine organische Ursache lässt sich dabei nicht nachweisen.
Reizschwelle
Die Reizschwelle ist die Stärke, die ein Reiz mindestens erreichen muss, um eine Reaktion auszulösen. Sie spielt zum Beispiel beim Schmerzempfinden oder bei Nerven- und Muskelreaktionen eine Rolle.
Reizung
Als Reizung bezeichnet man eine leichte Entzündungs- oder Überlastungsreaktion eines Gewebes ohne schwere Schädigung. Betroffen sein können etwa Haut, Augen, Schleimhäute oder Sehnen.
Rekanalisation
Rekanalisation bezeichnet die Wiedereröffnung eines verschlossenen Blutgefässes, sodass das Blut wieder ungehindert fliessen kann. Sie ist zum Beispiel bei der Behandlung von Herzinfarkt oder Schlaganfall entscheidend.
Rekonvaleszenz
Als Rekonvaleszenz bezeichnet man die Erholungsphase nach einer Krankheit oder Operation, in der sich der Körper allmählich erholt. In dieser Zeit kehren Kräfte und Leistungsfähigkeit schrittweise zurück.
Rektoskopie
Die Rektoskopie ist eine Spiegelung des Mastdarms mit einem starren Untersuchungsrohr. Sie dient dazu, den unteren Enddarm auf Blutungen, Entzündungen oder Geschwülste zu untersuchen.
Rektum
Das Rektum ist der letzte, etwa 15 Zentimeter lange Abschnitt des Dickdarms vor dem After. Es dient als Sammelort für den Stuhl vor der Ausscheidung.
Remission
Remission bezeichnet das Nachlassen oder vorübergehende Verschwinden von Krankheitszeichen — etwa bei Krebs oder chronischen Entzündungen. Eine vollständige Remission bedeutet, dass keine Krankheitszeichen mehr nachweisbar sind, ohne dass zwingend Heilung vorliegt.
Reponierung
Als Reponierung bezeichnet man das Zurückführen verschobener Knochen- oder Gelenkteile in ihre normale Lage. Sie erfolgt etwa nach einem Knochenbruch oder einer Verrenkung, um die Heilung zu ermöglichen.
Resektion
Eine Resektion ist die operative Entfernung eines Gewebeteils oder Organs, zum Beispiel eines Tumors oder eines Darmabschnitts. Sie wird durchgeführt, um krankes Gewebe zu beseitigen.
Resorption
Resorption ist die Aufnahme von Stoffen aus dem Darm, aus Wunden oder aus dem Gewebe in das Blut oder die Lymphe. Von ihr hängt zum Beispiel ab, wie gut Nährstoffe und Medikamente wirken.
Restharn
Als Restharn bezeichnet man die Urinmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. Ein erhöhter Restharn kann auf eine Blasenentleerungsstörung hinweisen, etwa bei vergrösserter Prostata.
Retention
Retention bezeichnet das Zurückhalten von Stoffen im Körper, die eigentlich ausgeschieden werden sollten. Bekannt sind der Harnverhalt bei der Blase und die Wasseransammlung im Gewebe.
Retikulozyten
Retikulozyten sind junge, noch nicht vollständig ausgereifte rote Blutkörperchen. Ihre Anzahl im Blut zeigt, wie aktiv das Knochenmark neue rote Blutzellen bildet.
Retina
Die Retina ist die Netzhaut im hinteren Teil des Auges. Sie enthält die Sehzellen, die einfallendes Licht in Nervensignale umwandeln und so das Sehen ermöglichen.
Retinopathie
Eine Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut, häufig als Folge von Diabetes oder Bluthochdruck. Geschädigte Blutgefässe können das Sehvermögen beeinträchtigen und unbehandelt zur Erblindung führen.
Retroflexion
Retroflexion bezeichnet eine Rückwärtsknickung eines Organs, am häufigsten der Gebärmutter. Diese Lagevariante ist meist harmlos und verursacht in der Regel keine Beschwerden.
Rezept
Ein Rezept ist die ärztliche Verordnung eines Medikaments, die zum Bezug in der Apotheke berechtigt. Es enthält Angaben zum Wirkstoff, zur Menge und zur Einnahme.
Rezeptor
Ein Rezeptor ist eine Andockstelle auf oder in einer Zelle, an die bestimmte Botenstoffe, Hormone oder Medikamente binden. Durch diese Bindung wird ein Signal ausgelöst, das die Zelle in ihrer Funktion beeinflusst.
Rezeptorblocker
Ein Rezeptorblocker ist ein Medikament, das bestimmte Andockstellen im Körper besetzt und so deren Wirkung hemmt. Bekannt sind etwa Betablocker, die die Wirkung von Stresshormonen am Herzen abschwächen.
Rezeptorstatus
Der Rezeptorstatus beschreibt, welche Andockstellen auf Tumorzellen vorhanden sind, etwa für Hormone. Bei Brustkrebs hilft er einzuschätzen, wie der Tumor voraussichtlich auf bestimmte Behandlungen anspricht.
Rezeptur
Eine Rezeptur ist ein individuell in der Apotheke hergestelltes Arzneimittel nach ärztlicher Vorgabe. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein fertiges Präparat nicht passt, etwa bei speziellen Salbenmischungen.
Rezidiv
Ein Rezidiv ist das erneute Auftreten einer Krankheit, nachdem sie zwischenzeitlich abgeklungen oder scheinbar geheilt war. Der Begriff wird häufig bei Krebs, Infektionen oder chronischen Erkrankungen verwendet.
Rhesusfaktor
Der Rhesusfaktor ist ein Merkmal auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen, das die Blutgruppe als positiv oder negativ bestimmt. Er ist besonders in der Schwangerschaft bedeutsam, wenn Mutter und Kind unterschiedliche Faktoren haben.
Rheuma
Rheuma ist ein Sammelbegriff für zahlreiche Erkrankungen des Bewegungsapparates, die mit Schmerzen, Steifigkeit und Entzündung von Gelenken oder Muskeln einhergehen. Die Ursachen reichen von Verschleiss bis zu Fehlreaktionen des Immunsystems.
Rheumatologie
Die Rheumatologie ist das Fachgebiet, das entzündliche und degenerative Erkrankungen von Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bindegewebe behandelt. Dazu zählen etwa rheumatoide Arthritis und Autoimmunerkrankungen.
Rhinitis
Eine Rhinitis ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut mit Schnupfen, verstopfter Nase und Niesreiz. Sie kann durch Erkältungsviren oder durch Allergien wie Heuschnupfen ausgelöst werden.
Rhinoplastik
Die Rhinoplastik ist ein operativer Eingriff zur Formveränderung der Nase. Sie wird aus ästhetischen Gründen oder zur Korrektur von Atembehinderungen und Fehlstellungen durchgeführt.
Rigor
Rigor ist eine krankhafte Muskelsteifigkeit, bei der ein anhaltend erhöhter Muskeltonus die Beweglichkeit erschwert. Er ist ein typisches Zeichen der Parkinson-Krankheit.
Ringelröteln
Ringelröteln sind eine durch Parvoviren verursachte Kinderkrankheit mit einem typischen girlandenförmigen Hautausschlag an Wangen und Körper. Bei Kindern verläuft sie meist harmlos, in der Schwangerschaft kann sie das Kind gefährden.
Rippe
Die Rippen sind die paarigen, bogenförmigen Knochen des Brustkorbs. Sie schützen Herz und Lunge und sind über Gelenke an der Wirbelsäule beweglich mit der Atmung verbunden.
Rippenbogen
Der Rippenbogen ist der tastbare, bogenförmige Rand am unteren Ende des Brustkorbs. Er dient in der Untersuchung als Orientierungspunkt, etwa zum Ertasten von Leber oder Milz.
Rippenfell
Das Rippenfell (Pleura parietalis) ist der Teil der Pleura, der die Innenseite des Brustkorbs, das Zwerchfell und Teile des Mittelfellraums auskleidet. Zusammen mit dem Lungenfell bildet es den Pleuraspalt.
Rippenfellentzündung
Bei einer Rippenfellentzündung (Pleuritis) ist die Pleura entzündet — die seröse Membran zwischen Lunge und Brustkorb. Typisch sind stechende, atemabhängige Brustschmerzen; die Ursache gehört ärztlich abgeklärt.
Rippenprellung
Eine Rippenprellung ist eine schmerzhafte Verletzung des Brustkorbs durch stumpfe Gewalt, ohne dass die Rippe gebrochen ist. Die atemabhängigen Schmerzen können über Wochen anhalten, heilen aber meist von selbst.
Risikofaktor
Ein Risikofaktor ist ein Umstand, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine bestimmte Krankheit zu entwickeln. Beispiele sind Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck; manche Faktoren lassen sich beeinflussen, andere nicht.
Röntgen
Röntgen ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem mithilfe von Röntgenstrahlen das Körperinnere sichtbar gemacht wird. Es eignet sich besonders zur Darstellung von Knochen, etwa bei Brüchen, und der Lunge.
Röteln
Röteln sind eine ansteckende Viruserkrankung mit Hautausschlag, leichtem Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Gefährlich sind sie vor allem in der Schwangerschaft, weil sie das ungeborene Kind schädigen können.
RR
RR ist die gebräuchliche Abkürzung für den Blutdruck, benannt nach dem Erfinder der Messmethode, Riva-Rocci. Angegeben werden der obere und der untere Wert, etwa 120 zu 80.
Rückenmark
Das Rückenmark ist der Teil des zentralen Nervensystems, der im Wirbelkanal verläuft. Es leitet Signale zwischen Gehirn und Körper und steuert zudem einfache Reflexe.
Rückenmarkanästhesie
Mit «Rückenmarkanästhesie» ist meist die Spinalanästhesie gemeint, eine rückenmarksnahe Regionalanästhesie. Das Lokalanästhetikum wird im unteren Rücken in den Liquorraum (Subarachnoidalraum) gegeben, nicht in das Rückenmark selbst.
Rückfallfieber
Rückfallfieber ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit mit wiederkehrenden Fieberschüben. Zwischen den Schüben treten fieberfreie Phasen auf; übertragen wird die Krankheit durch Läuse oder Zecken.
Ruhe-EKG
Ein Ruhe-EKG ist die Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität, während die Person entspannt liegt. Es dient dazu, Herzrhythmus und Hinweise auf Durchblutungsstörungen oder frühere Herzinfarkte zu beurteilen.
Ruhepuls
Der Ruhepuls ist die Herzfrequenz in völliger körperlicher Ruhe, gemessen als Schläge pro Minute. Als normal gelten 60 bis 100 Schläge pro Minute; bei trainierten Menschen liegt er oft darunter.
Ruptur
Eine Ruptur ist der Riss oder das Zerreissen eines Gewebes, etwa einer Sehne, eines Muskels, eines Bandes oder eines Blutgefässes. Sie entsteht häufig durch Überlastung, Verletzung oder Vorschädigung.